{"id":1108,"date":"2024-09-24T18:56:18","date_gmt":"2024-09-24T16:56:18","guid":{"rendered":"https:\/\/agat-online.org\/?page_id=1108"},"modified":"2025-03-05T00:12:16","modified_gmt":"2025-03-04T23:12:16","slug":"nachruf-lohfink","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/agat-online.org\/?page_id=1108","title":{"rendered":"Die AGAT trauert um Prof. em. Dr. Norbert Lohfink SJ \u271d 23.9.2024"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Arbeitsgemeinschaft der deutschsprachigen Alttestamentlerinnen und Alttestamentler (AGAT) trauert um ihr langj\u00e4hriges Mitglied Professor Dr. Norbert Lohfink SJ, der am 23. September 2024 in M\u00fcnchen verstarb.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/agat-online.org\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Norbert-Lohfink-SJ.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"380\" height=\"380\" src=\"https:\/\/agat-online.org\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Norbert-Lohfink-SJ.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1112\" srcset=\"https:\/\/agat-online.org\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Norbert-Lohfink-SJ.jpg 380w, https:\/\/agat-online.org\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Norbert-Lohfink-SJ-300x300.jpg 300w, https:\/\/agat-online.org\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Norbert-Lohfink-SJ-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 85vw, 380px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">P. Norbert Lohfink SJ, Foto: <a href=\"https:\/\/www.jesuiten.org\/personen\/norbert-lohfink-sj\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">jesuiten.org<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Geboren am 28. Juli 1928 in Frankfurt am Main trat Norbert Lohfink am 15. April 1947 in den Jesuitenorden ein und studierte von 1949 bis 1953 zun\u00e4chst Philosophie im Berchmanskolleg in Pullach und von 1953 bis 1957 Katholische Theologie in Frankfurt Sankt Georgen. Im Anschluss daran setzte Norbert Lohfink seine Studien am P\u00e4pstlichen Bibelinstitut in Rom fort, wo er 1962 mit der Dissertation \u201eDas Hauptgebot. Eine Untersuchung literarischer Einleitungsfragen zu Dtn 5\u201311\u201c promoviert wurde. Seine Dissertationsschrift war nicht nur ein exegetischer Meilenstein in der Erforschung des Deuteronomiums, sondern hatte im Kontext des Zweiten Vatikanischen Konzils ma\u00dfgeblichen Anteil daran, eine historisch orientierte, kritische Exegese in der Katholischen Theologie zu etablieren. Die \u00f6ffentliche&nbsp;<em>defensio<\/em>&nbsp;seiner Dissertationsschrift, die in Anwesenheit einer gro\u00dfen Konzils\u00f6ffentlichkeit in Rom stattgefunden hat, beeinflusste die Neufassung der dogmatischen Konstitution \u00fcber die g\u00f6ttliche Offenbarung&nbsp;<em>Dei Verbum&nbsp;<\/em>(1965).<\/p>\n\n\n\n<p>Der Ort des akademischen Wirkens von Norbert Lohfink war Frankfurt Stankt Georgen, wo er kontinuierlich \u2013 nur unterbrochen von Gastdozenturen weltweit \u2013 lehrte. 2021 zog er in die Seniorenkommunit\u00e4t Pedro Arrupe nach Unterhaching.<\/p>\n\n\n\n<p>Norbert Lohfink war ein au\u00dfergew\u00f6hnlicher Kollege, der seine pr\u00e4zisen Textbeobachtungen mit tiefgr\u00fcndiger theologischer Reflexion und den aktuellen Diskursen in Kirche, Theologie und Gesellschaft verbunden hat. Sein genauer Blick, seine Gro\u00dfz\u00fcgigkeit und sein humorvoller Unterton haben ihn zu einem Kollegen gemacht, der den kollegialen Diskurs bereichert hat. Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit waren die B\u00fccher Deuteronomium und Kohelet, die Psalmen und Fragen zur biblischen Theologie. Methodisch hat Norbert Lohfink neben der Redaktionskritik nie den Endtext aus dem Blick verloren. Er geh\u00f6rte zu den Wegbereitern der Rezeption einer\u00a0\u201ekanonischen Exegese\u201c im deutschsprachigen Raum. Neben seinen Kommentaren und Monografien war Norbert Lohfink auch ein Meister der Gattung \u201eArtikel\u201c; davon zeugt nicht nur seine fast 900 Titel umfassende Publikationsliste, sondern dies zeigen auch die thematischen Sammelb\u00e4nde, in denen sich die Einzel\u00fcberlegungen zu einem Gesamtpanorama zusammenf\u00fcgen. Besonders zu erw\u00e4hnen ist seine ertragreiche und intensive wissenschaftliche Kooperation mit seinem Freund und Kollegen Professor Dr. Georg Braulik, Wien, mit dem er gemeinsam arbeitete, dachte und publizierte.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Feld von Norbert Lohfinks Engagement war der j\u00fcdisch-christliche Dialog und sein Interesse an einer hermeneutischen Neubestimmung des Verh\u00e4ltnisses von Altem und Neuem Testament. Diese Fragestellungen durchziehen seine wissenschaftliche Biografie angefangen bei der fr\u00fchen Arbeit \u201eDas Siegeslied am Schilfmeer. Christliche Auseinandersetzungen mit dem Alten Testament\u201c (Frankfurt am Main 1965) bis hin zu einer christlichen Positionsbestimmung in seiner Schrift \u201eDer niemals gek\u00fcndigte Bund. Exegetische Gedanken zum christlich-j\u00fcdischen Dialog\u201c (Freiburg\/Basel\/Wien 1989).<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus hat Norbert Lohfink biblische Exegese nicht nur als Fachwissenschaft, sondern auch mit Blick auf Vermittlung und Praxis verstanden. Hiervon zeugen Publikationen wie \u201eIm Schatten deiner Fl\u00fcgel: Gro\u00dfe Bibeltexte neu erschlossen\u201c (Freiburg\/Basel\/Wien 1999), ebenso wie sein unerm\u00fcdliches Engagement im Rahmen der Erstellung der \u201eEinheits\u00fcbersetzung\u201c. F\u00fcr dieses Projekt, das im Kontext des Zweiten Vatikanischen Konzils eine neue Bibel\u00fcbersetzung f\u00fcr den Gebrauch in den deutschsprachigen Di\u00f6zesen der katholischen Kirche bieten sollte, \u00fcbersetzte er die B\u00fccher Deuteronomium und Kohelet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das wissenschaftliche \u0152uvre von Norbert Lohfink hat die Exegese gepr\u00e4gt und wird weit \u00fcber seinen Tod hinaus weiterwirken.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Arbeitsgemeinschaft der deutschsprachigen Alttestamentlerinnen und Alttestamentler wird Norbert Lohfink ein ehrendes Andenken bewahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Arbeitsgemeinschaft der deutschsprachigen Alttestamentlerinnen und Alttestamentler (AGAT) trauert um ihr langj\u00e4hriges Mitglied Professor Dr. Norbert Lohfink SJ, der am 23. September 2024 in M\u00fcnchen verstarb. Geboren am 28. Juli 1928 in Frankfurt am Main trat Norbert Lohfink am 15. 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